22.03.2025 Neffelrock (Müddersheim)
Wir rollen mit dem Oldtimer Mercedes von Sebastians Onkel aus Köln. Wir sind früh dran und genießen die ersten warmen Sonnenstrahlen des Jahres. Es ist fast kein Verkehr auf den Straßen zwischen Köln und Müddersheim und viel zu früh halten wir vor einem Gebäude auf dem „Dorfgemeinschaftshaus“ steht. Der Ort hat noch nicht angefangen. Neben dem Dorfgemeinschaftshaus, dass von außen die Anmutung von einem Vereinsheim hat, ist ein großer Spielplatz. Irgendwo muss es hier einen Neffelbach geben, aber der ist weder zu sehen, noch zu hören.
Vor dem Eingang stehen zwei und rauchen. Wir werden freundlich begrüßt und einer der beiden zeigt uns die Location. Ein kleiner Eingangsbereich. Rechts eine Türe ins Backstage, links geht es in den Veranstaltungsraum. Dort ist der Aufbau in Gange. Der Saal sieht so aus, wie man ihn sich von außen vorstellt: Kalter Steinboden, einige Stehtische und ein paar Bierbänke. Aber es ist nicht ungemütlich. Durch die Fenster unter der mit Holz verkleideten Decke dringt etwas Licht in den Raum. In der Mitte steht ein Mischpult, an dem Harald, der Mischer des Abends erste Vorbereitungen trifft. Jemand bereitet die Bartheke vor. Unsere Führung geht weiter ins Backstage. Wir treten in einen gemütlichen kleinen Schankraum mit Holztischen und Stühlen, die bestimmt seit 100 Jahren hier stehen. Eine kleine Bartheke mit Kühlschränken rundet das Bild ab. Das Catering ist schon da und bietet zwei Töpfe mit leckeren Suppen und einen Snacktisch, der sich sehen lassen kann. Es gibt sogar Trauben. Leon war ganz hin und weg von der „Gesundsuppe“, wie er sie heute noch schwärmerisch nennt. Den Rest der Woche kann er sich jetzt mit gutem Gewissen von Fastfood ernähren.
Da wir noch Zeit bis zu unserem Soundcheck haben, gehen wir eine Runde durch Müddersheim. An der ersten Ecke sitzt ein Halbstarker auf einem „Motorrad“, das nicht größer als ein Bobby Car ist und schaut uns argwöhnisch oder neugierig an, schwer zu beurteilen. Dann dreht er sich um und fährt mit einem Rasenmäher Sound in die nächste Querstraße. Auf unserem Spaziergang sehen wir eine Kneipe und eine der zwei Busshaltestellen des Ortes. Auch an einer Kirche und einem Friedhof kommen wir vorbei. Viel mehr scheint es nicht zu geben. Die Gehwege bestehen aus Kies mit Schlaglöchern. Am Dorfrand angekommen laufen wir über einen Feldweg zurück zum Dorfgemeinschaftshaus, vorbei an einem Landwirtschaftlichen Betrieb. Es riecht nach Frühling.
Zurück am Dorfgemeinschaftshaus zeichnet sich bereits eine ordentliche Verzögerung ab. Harald scheint alleine für den Technik Aufbau verantwortlich zu sein und erzählt später, dass er eigentlich Unterstützung haben sollte, die aber ausgefallen ist. Zusätzlich musste er wegen einem Defekt kurzfristig auf ein anderes Mischpult wechseln. Wir entspannen also noch, unterhalten uns mit dem Veranstalter Alex, einem der Helfer Artur und den anderen Bands bis wir dann, zwei Minuten vor Einlass dran sind mit Soundcheck. Da wir von den Auftritten davor einen Linecheck gewohnt waren, konnten wir den Sound Check recht zügig über die Bühne bringen und waren bereit, den Abend musikalisch zu eröffnen.
Alex hat uns angekündigt und das Publikum, das sich an einer unsichtbaren Linie ca. 7 Meter von der Bühne entfernt versammelt hat näher gebeten. Niemand hat sich auch nur einen Zentimeter bewegt. Nicht mal unsere beiden Fans, die sich von Köln nach Müddersheim gewagt haben.
Mit einem rockigen Intro, viel Karacho und ausnahmsweise technischer Makellosigkeit sind wir in die Dorfidylle gebrettert. Nach dem ersten Song konnten wir die Massen dazu bewegen doch ein paar Schritte näher zu kommen. Einige der anwesenden haben kurzerhand die Stehtische weiter vor getragen 😀 Der Saal war bis hinten gefüllt. Vorwiegend mit Rockern mittleren Alters, aber doch insgesamt sehr durchmischt. Ein paar der Leute konnten wir schon beim ersten Song zum leichten Nicken bewegen. Nach dem zweiten Song hat es die Crowd nach Aufforderung bis zur Lichtkante einen Meter vor der Bühne geschafft und ab da haben sogar vereinzelt Leute getanzt statt zu nicken.
Der Auftritt hat mega Spaß gemacht und war einer der besten bis jetzt. Alex hat gesagt, er hatte bis jetzt noch keine Opening Band, bei der die Stimmung schon so gut war.
Beim Rückladen unserer Sachen in das Auto von Sebastians Onkel lernen wir dessen Nachbarin kennen, sie erkennt das Auto wieder: „Dat sin isch doch emmer vum Balkung beim Rauchen“ NRW ist eben auch ein Dorf.

